Windpark – Prospektion von WEA-Standorten/Windpark Reinhardswald

Sog. Windparks (WP) mit zahlreichen Windenergieanlagen (WEA) bestimmen seit Jahren unsere Landschaft. Vor der Errichtung von solchen Windenergieanlagen wird in den Vorranggebieten, die häufig auf Höhenzügen und in Waldgebieten liegen, eine projektbegleitende, archäologische und denkmalgerechte Erkundung des vorgesehenen Baubereiches notwendig.

Zunächst sieht die archäologische Prospektion für einen Windpark die Vorabauswertung des LIDAR-Scans (lichtsensorische Erfassung der Oberflächenstrukturen) vor, d. h. eine Analyse des digitalen Oberflächenmodells (DGM) einschließlich einer Kartierung aller erkennbaren Anomalien bzw. Befunde. Zur Vervollständigung dieser Vorauswertung werden auch die im Planungsgebiet bekannt gewordenen archäologischen Fundstellen und Kleindenkmäler (z.B. Grenzsteine) mit einbezogen.

Die anschließend notwendig werdende Flächenbegehung kann ergebnisrelevant nur zwischen dem 1. November und 30. April durchgeführt werden. Diese zeitliche Einschränkung ist bedingt durch die ausgeprägten Vegetationsverhältnisse zwischen Mai und Oktober, die das Erkennen von Oberflächenstrukturen nahezu unmöglich machen. Die Begehung erfolgt in der Regel in einem Radius von 200 – 250 m um jede einzelne WEA, im Bereich der Zuwegungen und Leitungstrassen in einem Abstand von 50 m zu beiden Seiten.

Nach Abschluss der durchgeführten Prospektion wird ein abschließender Bericht samt Kartierungen, Befundkatalog und einer beigefügten Bilddatenbank vorgelegt.

Auf diese Weise erhält der Auftraggeber die notwendigen archäologischen bzw. denkmalgerechten Daten für die weitere Projektplanung und ist in der Lage, dies in seine nachfolgende Antragstellung mit einzubeziehen.

Bislang wurden von der WiBA etwa 40 Windparks mit weit über 150 WEA-Standorten in ganz Hessen prospektiert.

Ein herausragendes Beispiel für optimale Zusammenarbeit von Investor, archäologischer Denkmalpflege und Auftragsarchäologie ist der WP im Reinhardswald, wo 23 WEA in einer archäologisch überaus fundreichen Region geplant waren. Glashütten der frühen Neuzeit, prähistorische Grabhügel und vor allem mittelalterliche Wölbäcker bestimmten die Prospektionsbilder. Zahlreiche WEA-Standorte mussten daher verschoben, ganz gestrichen oder in andere Bereiche des Reinhardswaldes verlegt werden. Durch eine aufwendige Planung und lange Gespräche konnte das Vorhaben jedoch schließlich für alle Beteiligten und in enger Zusammenarbeit als erfolgreiches Projekt abgeschlossen werden.

2018-08-20T10:00:43+00:00
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