Jungsteinzeitliche Siedlung bei Heskem, Kr. Marburg-Biedenkopf

Beim Abtrag des Oberbodens im Bereich einer im Bau befindlichen Ortsumgehungsstraße bei Heskem, Kr. Marburg-Biedenkopf, wurde eine Vielzahl von schwarzen Bodenverfärbungen aufgedeckt. Diese erwiesen sich als Gruben und Hausgrundrisse einer linearbandkeramischen Siedlung und wurden im Rahmen einer rund 15-monatigen Ausgrabung auf einer Gesamtfläche von ca. 8000 qm freigelegt. Dabei konnten 25 Hausgrundrisse dieser über die Trassenränder hinausgehenden Siedlung aufgedeckt werden, die offensichtlich mehreren Entwicklungsphasen jener ersten jungsteinzeitlichen Bauernkultur zuzuweisen sind (ca. 5500 – 4900 v. Chr.). Von besonderer Bedeutung ist einerseits die Existenz von ältestbandkeramischen Häusern und Funden, andererseits aber auch von Keramik, die in die jüngste Entwicklungsphase der linearbandkeramischen Kultur zu stellen ist.

Es konnten ebenfalls zwei Bestattungen innerhalb der Besiedlung dokumentiert werden, darunter das Skelett eines vermutlich 6-7 jährigen Mädchens, das in einer Grube zwischen zwei Häusern bestattet wurde.

Ferner wurde in einem randlichen Bereich der Siedlung eine regelrechte jungsteinzeitliche „Bäckerei“ aufgedeckt, bestehend aus fünf um eine Eintiefung angeordneten Grubenöfen, die offenbar zum Backen, Rösten oder Darren genutzt wurden.

Außer den bandkeramischen Befunden konnten auf der Ausgrabungsfläche auch Relikte anderer Zeitstellungen freigelegt werden, wie z.B. ein Grabenwerk aus der späten Eisenzeit sowie einige Brandgräber, die vermutlich in den Übergangshorizont zwischen Bronze- und Eisenzeit datieren.

2018-08-20T09:58:57+00:00
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